Der Berliner FinTech Stammtisch am 17. Februar 2026 stand ganz im Zeichen der europäischen Zahlungsinfrastruktur. Im Mittelpunkt der Diskussion: Wero, der Digitale Euro und die Frage, wie Europa seine Souveränität im Finanzbereich stärken kann. Die Veranstaltung war stark besucht. Der Raum in der Freifläche in der Bülowstraße war voll, viele Gäste standen. Das Thema bewegt.
Abhängigkeit von internationalen Infrastrukturen
Payments gelten als Paradebeispiel für Europas strukturelle Abhängigkeit von internationalen Unternehmen und Infrastrukturen. Internationale Schemes, Processing-Anbieter und BigTech-Plattformen prägen große Teile des Zahlungsverkehrs. Mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage wurde im Panel mehrfach betont, dass Zahlungsinfrastruktur längst Teil kritischer Infrastruktur ist. Politische Unberechenbarkeit einzelner Staaten kann Abhängigkeiten verstärken und strategische Verwundbarkeit erzeugen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Initiativen wie Wero und die Diskussion um den Digitalen Euro an Bedeutung.
Das Panel: Zentralbank, Challenger Bank, Infrastruktur-Initiative
Diskutiert wurde mit:
- Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank
- Marcus W. Mosen, Co-CEO N26
- Martina Weimert, CEO der European Payments Initiative
Die Perspektiven reichten von regulatorischer Einordnung über Marktmechanismen bis hin zur praktischen Umsetzung europäischer Payment-Initiativen. Im Zentrum stand die Frage: Wie realistisch ist es, eine resiliente, wettbewerbsfähige europäische Alternative zu bestehenden globalen Lösungen aufzubauen?
Souveränität, Resilienz und kritische Infrastruktur
Befürworter europäischer Initiativen argumentieren mit:
- Schutz kritischer Infrastruktur
- Reduktion geopolitischer Abhängigkeiten
- Stärkung europäischer Handlungsfähigkeit
- Cybersecurity und Cloud-Unabhängigkeit
Mehrfach wurde im Verlauf der Diskussion betont, dass europäische Payment-Initiativen in der Vergangenheit oft als ambitioniert, aber politisch wenig priorisiert wahrgenommen wurden. Die globale Lage und die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen hätten dem Thema jedoch neue Dringlichkeit verliehen. Was früher als industriepolitisches Projekt galt, werde heute zunehmend als strategische Notwendigkeit diskutiert. Gleichzeitig wurde aus dem Publikum kritisch hinterfragt, warum neben global etablierten Lösungen zusätzliche europäische Systeme aufgebaut werden sollten.
Ein Argument aus der Diskussion: Die USA und China setzen ihre Zahlungsinfrastrukturen international durch. Europa müsse zumindest in der Lage sein, eigene strategische Alternativen vorzuhalten. Andere Stimmen äußerten Zweifel, ob Europa die wirtschaftliche und politische Geschlossenheit besitzt, um ein vergleichbares System nachhaltig zu etablieren.
Wero und der Digitale Euro: Roadmap und Realismus
Die Diskussion machte deutlich, dass Wero mehr ist als ein weiteres Payment-Produkt. Es geht um Governance, regulatorisches Backing und langfristige Infrastrukturplanung. Auch der Digitale Euro wurde als Teil eines größeren strategischen Rahmens betrachtet. Nicht als Ersatz bestehender Systeme, sondern als zusätzliche Option im Instrumentarium europäischer Geldpolitik und Zahlungsabwicklung.
Ob und wie schnell sich diese Initiativen im Markt durchsetzen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Debatte über europäische Zahlungssouveränität ist in der Mitte des Finanz-Ökosystems angekommen.
Fazit: Wero und die strategische Dimension der Zahlungsinfrastruktur
Der FinTech Stammtisch zeigte, wie stark sich die Diskussion rund um Zahlungsinfrastruktur verschoben hat. Während im operativen E-Commerce Payment-Lösungen primär unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet werden, steht auf strategischer Ebene zunehmend die Frage nach Resilienz, Souveränität und geopolitischer Handlungsfähigkeit im Fokus. Die hohe Teilnehmerzahl und die intensive Diskussion unterstreichen die Relevanz des Themas für das Berliner Fintech-Ökosystem.


