CEO vom Proptech ThinkImmo Fabian Lurz im Interview

 CEO vom Proptech ThinkImmo Fabian Lurz im Interview

“Wir liefern Zahlen und Werte, die den großen Playern schon lange zur Verfügung stehen und machen diese einem breiteren Publikum zugänglich. Damit geben wir auch kleineren privaten Investoren die Möglichkeit rentable Immobilien zu finden.”

CEO Fabian Lurz vom Proptech ThinkImmo über die Schwierigkeiten als Immobilieninvestor lukrative Immobilien zu finden und wie das Proptech aus Berlin mittels innovativer Technologien Investoren hilft, deutlich schneller gute Immobilien zu erkennen und dabei wichtige Kennzahlen wie die Bruttorendite, den Cashflow und eine eigens entwickelte Standortbewertung liefert.

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Fabian, bald 32, wohne in Berlin und bin Geschäftsführer von ThinkImmo, einer Meta-Suche die Investoren dabei hilft, lukrative Immobilien zu finden.

Was waren Deine ersten Berührungen mit der Finanzindustrie?

Ich habe damals bei smava (2017) als Softwareentwickler angefangen. Das war meine erste Berührung mit der Fintech Branche.

Wann wurdest Du das erste Mal mit dem Begriff Fintech konfrontiert?

Auch 2017 🙂

Was denkst Du machen etablierte Unternehmen besser als Fintechs?

Ich sehe eher den Unterschied zwischen etablierten Unternehmen und Startups. Fintechs sind ja eben oft Startups die neue, technologische Lösungswege anbieten, um bestehende Prozesse zu automatisieren, zu vereinfachen und kostengünstiger anzubieten. Was dabei des Öfteren zu kurz kommen kann, ist die Komponente des menschlichen Vertrauens. Bei Blockchainanwendungen sieht man es ganz gut, dass Menschen theoretisch komplett autonom ihre Kryptowährungen wie Bitcoin verwalten könnten, sie präferieren aber oft Lösungen von Unternehmen, die ihre Werte für sie verwalten und aufbewahren. Dieses Vertrauen in Menschen und etablierte Organisationen ist aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor, der oft zu kurz kommt und bei Fintechs mitgedacht werden sollte. Ich kenne viele Menschen, die genau aus diesem Grund noch immer ihr Konto bei der Sparkasse haben 🙂

Was kann man von Fintechs lernen?

Neue Akteure – egal auf welchem Markt – bringen sehr oft Innovationen und neue Ideen mit sich. Meistens handelt es sich um Unternehmer, die zuvor selbst in der entsprechenden Branche (bspw. Finanzbereich) gearbeitet haben, um dann festzustellen, dass es dort ein Problem gibt, was durch Software besser gelöst werden kann. In diesem Sinne findet eine konstante Neubewertung bestehender Finanzlösungen statt. Kann man Prozesse verschlanken, kostengünstiger anbieten oder kundenfreundlicher gestalten, wird man potenziell am Markt erfolgreich sein und langfristig bestehende Strukturen ablösen. Was man also lernen kann, ist genau diese Innovationsbrille immer aufzuhaben und die Bereitschaft alt eingesessene Prozesse neu zu denken, was umso schwerer fällt, je größer die Organisation ist. Im besten Fall bleibt ein Mitarbeiter dann in der eigenen Firma und setzt dort die Innovation um, anstatt sein eigenes Fintech-Unternehmen zu gründen.

Welche Trends in der Fintech-Branche sind momentan für Dich besonders relevant?

Ein Trend, der mir persönlich sehr gefällt ist, dass Banken oftmals Ihre Schnittstellen offenlegen. Somit wird Raum für Innovation geschaffen.

ThinkImmo bietet eine innovative Möglichkeit der Immobilienakquise. Bitte stelle ThinkImmo kurz vor.

ThinkImmo ist eine Meta-Suchmaschine, die Investoren dabei hilft, lukrative Immobilien zu finden. Mit dem vollen Fokus auf Investoren stellen wir wichtige Kennzahlen wie die Bruttorendite, den Cashflow oder auch eine Standortbewertung zur Verfügung. Dadurch unterstützen wir Investoren bei der Suche und Akquise nach geeigneten Objekten.

Wie bist Du auf die Gründungsidee gekommen und wie hast die sie auf den Weg gebracht?

Tatsächlich wollte ich letztes Jahr selbst in Immobilien investieren. Nach dem Durchstöbern vieler Portale und dem händischen berechnen der wichtigen Kennzahlen war ich frustriert.
Als Entwickler habe ich dann schnell eine erste Version entwickelt und diese mit Kollegen validiert und weiterentwickelt. Da ich mit meinen beiden Kollegen Rene und Stefan vorher schon Unternehmen gegründet habe war die Zeit reif und wir haben einfach losgelegt.

Die Suche nach der gewünschten Immobilie kann sehr schwierig und zeitintensiv sein. Was sind die Gründe dafür?

Vorab muss man natürlich sagen: Der Markt ist schwierig. Gute Immobilien zu finden, die rentabel sind, ist nicht leicht. Das möchte ich nicht beschönigen. Im Endeffekt hat man ja zwei Möglichkeiten: Man sucht On-Market – also online. Oder Off-Market. Beides hat Vor- und Nachteile.

Bei On-Market stehe ich natürlich mit vielen anderen im Wettbewerb und Geschwindigkeit ist dann alles. Oft sind gute Immobilien schon nach weniger als einer Stunde wieder offline und man kann diese nicht mehr kaufen. Hier setzen wir auch mit ThinkImmo an. Wir helfen dabei gute Immobilien schneller zu erkennen damit man auch schneller reagieren kann. Bei Off-Market bin ich auf mein Netzwerk angewiesen. Das kommt natürlich nicht einfach über Nacht und dauert Monate bis Jahre sich ein solches aufzubauen.

Mit ThinkImmo sprecht Ihr im besonderen Investoren und Immobilienprofis an. Können auch Privatpersonen auf der Suche nach Eigentum von Eurer Lösung profitieren?

Definitiv. Auch, wenn ich Eigentum kaufe, ist die Bruttorendite nicht irrelevant. Diese gibt mir ja im Endeffekt das Verhältnis zu Kaufpreis und erzielbare Jahresnettokaltmiete an. Man möchte ja nicht unbedingt eine Wohnung besitzen, die viel zu teuer ist 😉

Der Immobilienmarkt gilt als hart umkämpft. Neben den großen Immobilienportalen mit denen Ihr kooperiert, sind auch etablierte Makler-Unternehmen wie Engel & Völkers, die Sparkassen und sehr gut finanzierte Proptechs wie McMakler, Homeday, Maklaro und Realbest positioniert. Welchen Mehrwert bietet Ihr, um diesen Markt aufzubrechen?

Unser Mehrwert entsteht im Endeffekt durch transparenz. Wir liefern Zahlen und Werte, die den großen Playern schon lange zur Verfügung stehen und machen diese einem breiteren Publikum zugänglich. Damit geben wir auch kleineren privaten Investoren die Möglichkeit rentable Immobilien zu finden.

Wie siehst Du die Zukunft des Immobilienmarktes und welchen Proptech traust Du dabei eine tragende Rolle zu?

Der Immobilienmarkt ist im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen eine noch relativ wenig digitalisierte Branche die sich mit zunehmender Entwicklung in den nächsten 10 Jahren stark konsolidieren wird. Kleinere Akteure werden es wahrscheinlich immer schwerer haben und einige große Akteure sowie Proptechs werden in den Bereichen Kauf, Verkauf, Suche und Finanzierung immer relevanter werden und große Marktanteile übernehmen. Bei den Nutzern von ThinkImmo lässt sich beobachten, dass Immobilien-Investments mittlerweile für viele junge Menschen extrem attraktiv geworden ist. Bereits erfolgreiche Immobilien-Investoren teilen ihre Erfahrungen, Informationen und Anleitungen für den erfolgreichen Einstieg oft auf Facebook, Youtube und Blogs kostenfrei und zeigen jungen Einsteigern wie es geht. Für viele dieser jungen Investoren sind insbesondere Cashflow-Objekte in weniger attraktiven Lagen interessant, da diese mit niedrigem Eigenkapitaleinsatz gekauft werden können mit dem Ziel, monatlich einen positiven Cashflow zu erwirtschaften. Außerdem kann man diese Investitionen selbst mit relativ geringem Einkommen nahezu komplett von einer Bank finanzieren lassen, was ein Vorteil gegenüber anderen Anlageklassen wie Aktien darstellt. Ich denke, dieser Trend der Cashflow-Anlage wird sich fortsetzen.

Wer sind Eure aktuellen Konkurrenten?

Relevante Wettbewerber auf dem Markt der Immobilien-Metasuchmaschinen mit dem Fokus auf private Investoren sind desk.immo, Immobingooo und immoMetrica. Alle drei Wettbewerber vereint der Ansatz, mehrere Immobilienportale zu durchsuchen und die Inserate für die Nutzer in einem Suchinterface abzubilden und aufzubereiten. ThinkImmo setzt sich vor allem durch den eigens entwickelten Standortfaktor, Analyse der Mikro- und Makrolage und einen integrierten Cashflowrechner von der Konkurrenz ab. Dazu kommt der Einsatz neuester Softwaretechnologie die es uns ermöglicht, große Datensätze in Millisekunden zu durchsuchen und für mehr als 150.000 Inserate Echtzeitberechnungen vorzunehmen.

Wie genau funktioniert thinkimmo, wenn ich als Investor eine Immobilie kaufen möchte?

Ist man ein Investor, der langfristig Immobilien halten möchte, dann ist die wichtigste Kennzahl um eine Immobilie schnell zu bewerten die Bruttorendite.
Diese liefern wir bei allen Objekten mit. D. h. ich gebe einfach bei uns bspw. 5 % Bruttorendite an – und schon kann ich mich auf ausschließlich interessante Inserate fokussieren.

Anschließend prüfe ich die Inserate genauer – sind diese wirklich rentabel? Hier geht es dann um den CashFlow. Also wie viel Geld bleibt mir nach Abzug aller Kosten übrig. Hier unterstützt ThinkImmo auch und berechnet für alle Inserate mit eigenen Parametern (Zinsen, Tilgungsrate) den CashFlow.
Natürlich kann man bei uns dann auch Suchaufträge erstellen. Hierbei ist der Fokus auf Geschwindigkeit alles. Das schätzen unsere Kunden auch sehr.

Was sind die wichtigsten Punkte, auf die man beim Kauf einer Immobilie als Investor achten sollte?

Das hängt stark von der eigenen Strategie ab. Kaufe ich eher in C und D-Lagen und verkaufe die Immobilie nach 10 Jahren wieder und möchte einen hohen CashFlow? Oder kaufe ich in A/B-Lage und halte die Immobilie die nächsten 20 Jahre und ziele auf eine große Wertsteigerung ab.

Sagen wir ich möchte eine Immobilie langfristig halten, dann ist wie oben erwähnt die erste wichtige Kennzahl immer die Bruttorendite. Steigt man dann tiefer ein, sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Wie wird sich der Standort entwickeln?
  • Wie entwickelt sich der CashFlow?
  • Welche Rücklagen möchte ich bilden?
  • In welchem Zustand ist die Immobilie? Stichwort Gutachter
  • Habe ich bei einem mäßigen Zustand der Immobilie die nötigen und guten Dienstleister vor Ort?(Handwerker sind immer schwer zu bekommen – vor allem Gute)
  • Wie ist die Finanzierungsstrategie? Hier sollte man sich gerade zu Anfangs wirklich unabhängig beraten lassen. Ein wirklich komplexes Thema.

Wir haben also noch viel vor – da wir auch bei all diesen Fragen weiter unterstützen wollen!

Was war Deine bisher größte Herausforderung bei der Gründung von ThinkImmo?

Lange Zeit war ThinkImmo auch kostenfrei für unsere frühen Nutzer. Die Entscheidung, wie wir das Geschäftsmodell ausrollen war wirklich nicht leicht. Im Endeffekt springt man hier ins kalte Wasser. Auch wenn man Umfragen macht, weiß man nicht ob Nutzer bereit sind für das Produkt zu bezahlen. Dieser Schritt hat definitiv Überwindung gekostet. Unsere Kunden haben das neue Modell aber sehr gut angenommen und wir sind jetzt auf Wachstumskurs. Mit den Einnahmen wollen wir den Wert natürlich weiter steigern und weitere wichtige Features liefern, die bei der Suche nach Immobilien helfen.

Was unternimmst Du als Ausgleich zu Deinem Job?

Tatsächlich ist ja Bouldern momentan ein ziemlicher Trendsport in Berlin. Das mache ich jetzt immerhin einmal die Woche. Und natürlich habe ich auch eine tolle Partnerin und eine wunderbare Tochter, die mir viel Kraft geben und mich unterstützen.

Wo sammelst Du Inspirationen?

Ich schaue mir immer sehr viele Dokus von Vorbildern und anderen Gründern an. Bspw. wie Elon Musk. Meiner Ansicht nach einer der größten Visionäre unserer Zeit.

Welchen Tipp möchtest Du Fintech-Unternehmern geben?

Laut Y-Combinator gibt es ja immer drei Bereiche, in denen ein Unternehmen gewinnen kann:

  • Außergewöhnliches Produkt (Google)
  • Guter Kundensupport (Amazon)
  • Billig (Aldi bspw.)

In Deutschland ist es meiner Ansicht nach am einfachsten mit gutem Kundensupport zu gewinnen. Das heißt natürlich nicht, dass man das Produkt vernachlässigen soll. Aber ein Fokus ist wichtig. Ich erlebe das selbst jeden Tag. Wir legen großen Wert auf extreme Kulanz und Freundlichkeit. Das kommt bei unseren Kunden sehr gut an.

Also: Put your customers first!!

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