Fintechs PSD2

Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 und die Bedeutung für Fintechs

Kaum eine Änderung hat die Finanz- und Bankenbranche in den letzten Jahren so beeinflusst und verändert wie PSD2. Sie wirkt sich sowohl auf Banken wie auch auf Fintechs aus. Doch was steckt hinter PSD2 und wie könnten Fintechs davon in Zukunft profitieren?

PSD2 EU-Initiative zur Regulierung von Zahlungsdiensten

Wer heute ein Produkt oder eine Dienstleistung kaufen möchte, hat ungeahnt vielfältige Möglichkeiten, Preise und Leistungen zu vergleichen. Der Zugriff ist über das Internet problemlos möglich, und es spielt keine Rolle, ob der Anbieter im Inland oder im Ausland ansässig ist. Allerdings sind viele Menschen bei internationalen Anbietern eher vorsichtig, weil es für Verbraucher häufig nur schlecht nachvollziehbar ist, wie seriös ein Kandidat aus dem Ausland ist. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob es sich um eine Finanzdienstleistung oder um ein anderes Produkt handelt. Selbst niedrige Kosten sind für viele Verbraucher nicht ausschlaggebend, wenn es um einen Kauf im Ausland geht. Häufig fällt die Kaufentscheidung, nach einem ausführlichen Vergleich dann doch auf einen Kandidaten aus Deutschland, selbst wenn dieser teurer ist. Was fehlt, ist ein einheitlich regulierter Finanzmarkt mit vergleichbaren Prozessen und harmonisierten Vorgaben. Ein einheitlicher europäischer Einlagensicherungsfonds ist dafür nur ein Beispiel.

EU Harmonisierung des Zahlungsdienstemarktes durch PSD2

Die europaweit vereinheitlichte Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 setzt nun ein Schritt zu einem einheitlich regulierten Finanzmarkt mit vergleichbaren Prozessen und harmonisierten Vorgaben. PSD steht für Payment Services Directive. Sie zielt darauf ab, Bank- und Finanzdienstleistungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu harmonisieren. Davon sollen Verbraucher und Unternehmen profitieren. Das erklärte Ziel ist es, einen harmonisierten Zahlungsdienstemarkt zu schaffen.

Fintechs PSD2 – Erhöhung Wettbewerb und Verbraucherschutz

In Deutschland ist die PSD2-Richtlinie im Zahlungsdienstaufsichtsgesetz umgesetzt. Sie soll einerseits die Barrieren für den Markteintritt von neuen Zahlungsdienstleistern wie den Fintechs abbauen und Innovationen fördern, andererseits aber auch den Verbraucher schützen. Durch harmonisierte Wettbewerbsbedingungen soll gleichzeitig der Wettbewerb zwischen Banken und Fintechs geschärft werden.

Die höhere Sicherheit im Online-Zahlungsverkehr ist vor allem durch die Verpflichtung der Banken gegeben, Drittanbietern den Zugriff auf die Konten der Kunden zu geben. So sind die Banken in der Lage, ihren Kunden Dienstleistungen mit streng regulierten Datenströmen zur Verfügung zu stellen. Um diese Sicherheit zu gewährleisten, mussten in der Finanzlandschaft Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste etabliert werden. Kontoinformationsdienstleister erhalten Zugriff auf die Konten der Kunden und bieten Funktionen wie die Analyse des Ausgabeverhaltens oder die Verwaltung der Finanzen an. Damit wird das frühere Monopol der Banken aufgeweicht, das ihnen die ausschließliche Verfügung über Kontoinformationen gab. Zahlungsauslösedienste führen hingegen Zahlungen von Rechnungen oder Überweisungen für den Kunden durch.

So profitieren Fintechs von PSD2

Für Fintechs ergibt sich mit der PSD2-Richtlinie ein ganz neuer Markt. Sie werden zum ernsthaften Konkurrenten für klassische Geschäftsbanken und sind nun in der Lage, unterschiedlichste Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Vor allem vereinfachte Zahlungsmethoden sind bei den Kunden beliebt. Hinzu kommen die steigenden Erwartungen der Kunden, nach denen Finanzdienstleistungen persönlich, transparent, schnell und günstig sein müssen und dabei den gesamten europäischen Wirtschaftsraum abdecken müssen. Experten gehen davon aus, dass sich die gesamte Wertschöpfungskette im Zahlungsverkehr in Zukunft noch deutlich ändert. Fintechs haben die Chance, hier anzusetzen und ihren Kunden einen wirklichen Mehrwert zu bieten.

PSD2 Datenschutzregularien – Chance für Fintechs

Im Rahmen der PSD2-Richtlinie steht auch eine Verbesserung der Datenschutzregularien im Vordergrund. Ein Onlinehändler ist nun verpflichtet, eine optimierte Kundenauthentifizierung im bargeldlosen Zahlungsverkehr zu gewährleisten. Der Bezahlprozess könnte für den Kunden dadurch noch länger und komplexer werden. Doch genau daraus ergibt sich ein interessantes Feld für Fintechs, wenn der Verbraucher den Zugriff auf seine Kontoinformationen erlaubt, um damit den Zahlungsvorgang direkt anzustoßen. Die Bank ist in diesem Fall gar nicht mehr eingebunden. Gerade für Fintechs liegt in diesem Bereich noch enormes Potenzial, das es zu nutzen gilt.

Interessante Perspektiven für die nächsten Jahre für Fintechs durch PSD2

Eine längerfristige Perspektive für Fintechs könnte in diesem Zusammenhang die Beantragung von eigenen Banklizenzen sein. Große Konzerne wie Google oder Amazon werden von vielen Verbrauchern schon heute anerkannt, wenn sie Finanzdienstleistungen anbieten. Es steht zu erwarten, dass auch Fintechs mit cleveren Lösungen gerne von Verbrauchern und Unternehmen angenommen werden. Die Voraussetzungen der Fintechs sind in jedem Fall gegeben. Gerade junge Start-ups sind auf mobile IT-Lösungen aus der Finanz- und Bankenwelt spezialisiert. Sie haben erste Erfahrungen mit komfortablen und nutzerfreundlichen Apps gesammelt, die ein optimiertes Kundenerlebnis bieten. Dienste wie die Aggregation von mehreren Konten bei unterschiedlichen Banken oder die persönliche Vermögensverwaltung sind nur zwei Varianten, die von den Kunden zunehmend genutzt werden. Immer häufiger werden Fintechs clevere Bank- und Finanzdienstleistungen aus einer Hand anbieten können und damit zur ernsthaften Konkurrenz für die klassischen Banken werden.