Interview mit Ulf Heyden, Gründer der Crypto49ers Initiative (Heyden.Net Internetservices UG)

 Interview mit Ulf Heyden, Gründer der Crypto49ers Initiative (Heyden.Net Internetservices UG)

“Das Jahr 2020 hat endgültig gezeigt, dass Bitcoin gekommen ist, um zu bleiben.”

Crypto49ers Gründer Ulf Heyden über das Crypto49ers Bitcoin-Bootcamp, den Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf den Bitcoin, aktuelle Entwicklungen und mögliche Zukunftsszenarien.

Über deine Zusage zum Interview hatte ich mich besonders gefreut. Du bist ja seit langem in vielen spannenden Projekten wie beispielsweise Cardscout.de, Bestcheck.de und natürlich auch FOCUS Online unterwegs. Seit 2019 organisierst du das Crypto49ers Bitcoin-Bootcamp. Was begeistert dich so sehr an dem Thema?

Während meiner Arbeit bei BurdaForward habe ich in den letzten 20 Jahren in verschiedensten Bereichen ein weitreichendes Netzwerk in der Finanzcommunity aufgebaut. Sowohl was die Journalisten und Redakteure betrifft wie auch wichtige Stakeholder und Entscheider in der Fin-Tech-Szene.

Anfang 2017 bin ich ins sogenannte „Bitcoin-Rabbithole“ gefallen und habe mich während einer dreimonatigen Auszeit quasi fulltime in das Thema eingelesen und zahlreiche YouTube-Videos zu dem Thema Kryptowährungen geschaut.

Du hast Crypto49ers ins Leben gerufen. Wie bist du auf die Idee gekommen und was ist das Ziel?

Ich habe mich im Bitcoin-Hype 2017 mit vielen Bekannten aus meiner Peergroup in einer Telegram-Gruppe ausgetauscht, die ich spontan „Crypto49ers“ benannt habe. Wir kennen das Motto, dass „Internetjahre Hundejahre“ sind, also dass in einem Jahr im Internet so viel passiert wie im normalen Leben in sieben Jahren. Der Bereich der Kryptowährungen entwickelt sich aber nochmal deutlich schneller, also dass im Crypto-Bereich in einem Jahr so viel passiert wie im Internet in sieben Jahren. Es geht mir dabei vor allem um den wertschätzenden und intensiven Austausch und den Aufbau einer nachhaltigen Community, welche hochwertige Informationen und anspruchsvoll gestaltete Events schätzt.

Hat der Name Crypto49ers eine besondere Bedeutung?

Neben dem „Sieben mal Sieben“ fand ich die Analogie zum Goldrausch des 19. Jahrhunderts sehr passend, welche ich auf unseren Events immer zeige. So ist der amerikanische Siedler-Treck der 49ers ja auch fast im Death Valley verdurstet (quasi im Krypto-Bärenmarkt!) und nur wenige haben den finalen Weg zu den Goldminen in Kalifornien geschafft.

Ebenso wie in der Bitcoin-Bewegung kam es bei den Siedler-Trecks des Jahres 1849 zu Abspaltungen, im Krypto-Bereich nennt man es Forks, sodass einige als Mormonen im Mittleren Westen geblieben sind. Ich vergleiche diese immer mit den Anhängern von Bitcoin Cash, BSV oder Iota.

Crypto49ers

Wir haben dann im Sommer 2018 den ersten Event mit knapp 20 Leuten in München veranstaltet. Mit dabei waren tolle Referenten wie z. B. René Pickhardt, der damals sehr früh einen tiefen Einblick ins Bitcoin Lightning Netzwerk präsentiert hat. Bei jeder Session finden am Nachmittag nach den Vorträgen eine zweistündige praktische Workshop-Session statt. So haben wir auch schon mal einen Bitcoin-Node aus einem RasberryPi Computer konfiguriert.

Trotz der schwierigen Corona-Umstände haben wir im September 2020 in einer geräumigen Location in Hamburg mit viel Abstand und Hygiene-Vorkehrungen einen physischen Event veranstaltet und so plane ich nun auch am 14. Juni 2021 wieder einen Event – diesmal in Zürich.

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Seit den letzten Crypto49ers Events in 2019 und 2020 ist viel passiert. Wie würdest du den Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf den Bitcoin einschätzen?

Die Pandemie war sicher – wie bei so vielen anderen Corona-Trends – auch bei Bitcoin ein Katalysator, der die ohnehin bestehende Entwicklung zu einem echten dezentralisierten und autarken Bitcoin-basierten Geldsystem nochmal beschleunigt hat. Ein Schlüsselmoment waren wohl im April 2020 Interviews wie von US-Notenbank-Repräsentanten Neel Kashkari auf dem 60-Minutes-Format von CBS, der sagte, dass die Federal Reserve endlos neues Geld produzieren würde, wenn sie es nur müsste.

Daraus entstand dieses „Moneyprinter goes BRRRR“-Meme, welches glaube ich bei vielen endgültig das Vertrauen in das aktuelle Geldsystem hat schwinden lassen. Wir haben ja alle schon seit der Finanzkrise 2008 ein ungutes Gefühl gehabt und Bitcoin gibt hier nun die Hoffnung auf ein solideres Geldsystem, welches eben nicht von Notenbanken und zentralen Instanzen abhängt.

Beim Thema Asset Allocation hört man immer wieder, dass auch der Bitcoin mittlerweile ein wichtiger Bestandteil des Vermögensportfolio für Anleger ist. Wie ist deine Meinung hinsichtlich Bitcoin als Vermögensanlage?

Ich bin kein Finanzberater und kann und will daher keine Portfolio-Empfehlungen geben. Man kann zwei Kardinalfehler machen: Der erste Fehler ist es, auf einen Schlag alles in Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu setzen, denn es ist natürlich sehr volatil und die Entwicklung ist auch immer noch sehr in der Anfangsphase. Der vermutlich zweite noch schlimmere Fehler: Die Entwicklung komplett zu ignorieren, sich gar nicht mit der künftigen Revolution unseres Geldsystems zu beschäftigen und gar nicht auf Bitcoin zu setzen.

Seit diesem Jahr haben selbst große börsennotierte US-Unternehmen wie Microstrategy, Square oder Tesla einen mehr oder weniger großen Teil ihrer Cashreserven in Bitcoin investiert. Die Unternehmen sehen es dabei als eine Absicherung gegen die Geldentwertung und die damit verbundene Assetpreis-Inflation an. Als Privatperson kann man sich daran orientieren und dies für seine eigenen Handlungen leiten lassen.

Obwohl Kryptowährungen, im Besonderen natürlich der Bitcoin seit Jahren auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sind viele Investoren sehr zurückhaltend. Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Gold erfreuen sich nach wie vor größerer Beliebtheit. Was denkst du, ist der Grund für die Zurückhaltung?

Viele sind mit der bisherigen Entwicklung ihrer Aktien, Immobilien oder Gold zufrieden. Vor allem, wenn sie 7 % oder gar über 10 % Rendite gemacht haben. Doch die (Geld-)Flut hebt bekanntlich alle Boote. Jeder Investor in Vermögenswerte muss bei der aktuellen Geldmengenauswertung der Notenbanken, die schon in den letzten Jahren bei 7–8 Prozent lag und in 2020 auf über 25 % hochschoss, diese Renditen mindestens erstmal machen, um von einem wirklich positiven Ergebnis reden zu können.

Bitcoin als Alternative wird hingegen weiter von den Medien wie ein heißes Eisen angefasst: Man berichtet nur, wenn es die üblichen starken Kursentwicklungen gibt oder man kann Schlagzeilen mit Negativem wie einen spektakulären Schlüsselverlust machen. Natürlich wird Bitcoin auch von den honorarorientierten Banken oder Finanzberatern deshalb nicht als Alternative propagiert, weil es keine Provisionen gibt und die Banken langfristig sogar entbehrlich macht.

In der kürzeren Vergangenheit haben mehrere bekannte Unternehmen sich für Bitcoin ausgesprochen. Du sprachst ja schon Elon Musk mit Tesla und das Fintech Square von Twitter-Chef Jack Dorsey an. Zusätzlich hat Paypal angekündigt den Handel damit zu ermöglichen. Kommt der Bitcoin jetzt im Mainstream an?

Das Jahr 2020 hat endgültig gezeigt, dass „Bitcoin gekommen ist, um zu bleiben“. Ich erinnere mich aus der Zeit des frühen Internets daran, dass auch damals noch bis 2005 so manche Print-Medien dachten: „Also das mit dem Internet, das ist ja nur so eine Modeerscheinung. Das geht bald wieder weg!“ Dieses Denken in Bezug auf Bitcoin herrscht zwar auch heute in der Finanzindustrie kaum noch vor – doch nur sehr wenige gehen aktiv auf die neuen Entwicklungen ein. Dabei muss man den Wandel umarmen! Das machen leider viel zu wenige der traditionellen Banken oder Fintechs. Aus diesem Grunde bin ich überzeugt, dass wir einen kompletten Wandel / Disruption zu völlig neuen Playern wie zum Beispiel Coinbase und Binance sehen und dass es auch völlig neue dezentrale Marktplätze statt der bisherigen Börsen geben wird.

Letzte Frage: Wo sammelst du Inspiration? Welche 3 Bücher haben dich im letzten Jahr am meisten überzeugt?

Aktuell kämpfe ich mich durch das Buch „The Sovereign Individual“ von Davidson / Rees-Mogg – ein Buch, das schon vor 25 Jahren so etwas wie Bitcoin vorhergesagt hat und letztlich eine Guideline dafür ist, wie man als Individuum den Übergang ins Informationszeitalter bewältigt. Letztlich ist der digitale Wandel mit dem Internet nur der Anfang einer weiteren historischen Zeitenwende, wie es die Renaissance mit der Erfindung des Buchdruckes war. Dieser hatte massive Auswirkungen auf „alte Autoritäten und Mächte“ wie die Kirche und so steht ähnliches heutzutage den Nationalstaaten und allen anderen zentralen Instanzen bevor.

Besonders beeindruckend fand ich dieses Jahr auch das Buch „The Price of Tomorrow“ von Jeff Booth, der in beeindruckender Art und Weise zeigt, wie die exponentiell steigenden Entwicklung von Technologie letztlich deflationär wirkt und dass damit eigentlich klassische Geldpolitik von Notenbanken, die sich nur an Konsumentenpreisen orientiert, von vornherein zum Scheitern verurteilt sein muss.

Außerdem habe ich dieses Jahr den Klassiker „Argentarius – vom Gelde“ gelesen. Eine wunderschöne Abhandlung des Bänkers Alfred Lansburgh aus dem Jahre 1921, der seinem Sohn in zwölf Briefen das Bankwesen erklärt. Dieses Buch ist heute so aktuell wie so mancher Artikel in heutigen Wirtschaftsmagazinen oder wie viele Wirtschaftsbücher in 2021 – eine absolute Leseempfehlung!

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