„Das Zinsumfeld verändert die Höhe der Rate, aber nicht, ob eine Lösung möglich ist.“
BesserFinanz finanziert Immobilieneigentümer mit mehreren Ratenkrediten, die bei ihrer Bank abgelehnt wurden. Geschäftsführer Thomas Mücke erklärt, warum ein Nachrangdarlehen dort greift, wo die Umschuldung scheitert, und warum er jeden Fall an den Unterlagen misst statt an der Selbstauskunft.
Die wichtigsten Learnings auf einen Blick
- Dokumente schlagen Selbstauskunft
- Vorprüfung in Minuten statt Tagen
- Nachrangdarlehen tragen auch bei steigenden Zinsen
- CCD II verschärft ab November 2026 die Prüfpflichten
Bitte stelle dich kurz vor und beschreibe deine Rolle bei BesserFinanz.
Mein Name ist Thomas Mücke, ich bin seit Dezember 2024 Geschäftsführer der BesserFinanz GmbH mit Sitz in Grünwald bei München. Davor habe ich im selben Haus als operativer Leiter gearbeitet, also als COO, und kenne die Abläufe deshalb aus dem Tagesgeschäft heraus. Mein Hintergrund liegt im digitalen Vertrieb und in der Automatisierung von Prozessen, und das prägt bis heute, wie wir arbeiten. Als Geschäftsführer kümmere ich mich vor allem darum, dass unsere Abläufe für den Kunden einfach und für die Bank verlässlich sind.
Wie würdest du das Geschäftsmodell von BesserFinanz in zwei bis drei Sätzen erklären?
Wir vermitteln Nachrangdarlehen an Immobilieneigentümer, die mehrere Ratenkredite haben und bei einer klassischen Umschuldung von ihrer Bank abgelehnt wurden. Ein Nachrangdarlehen ist ein Darlehen, das im Grundbuch hinter der bestehenden Baufinanzierung eingetragen wird. Die Immobilie dient dabei nur als Sicherheit, es ist keine neue Baufinanzierung. Mit der Summe lösen wir alle bestehenden Ratenkredite ab und ersetzen sie durch eine einzige, meist niedrigere Monatsrate über unsere Bankpartner.
Ihr bewegt euch bewusst in komplexen Finanzierungssituationen, in denen klassische Banken oft ablehnen. Wie hat sich dieses Marktsegment in den letzten Jahren strukturell verändert?
Der Zinsanstieg zwischen 2022 und 2024 hat Ratenkredite spürbar verteuert. Viele Haushalte, die mehrere kleinere Kredite parallel bedienen, kamen dadurch stärker unter Druck, weil ihre Gesamtrate stieg, während Einkommen und Spielraum gleich blieben. Gleichzeitig sind klassische Banken bei Konsumkrediten zurückhaltender geworden, gerade wenn Schufa-Einträge, eine hohe bestehende Ratenlast, das Alter oder eine unklare Einkommenssituation dazukommen. Für genau diese Fälle gibt es bei den großen Vergleichsportalen und Filialbanken kaum ein passendes Angebot, weil das Segment dort schlicht nicht abgebildet wird.
Gleichzeitig sind die Immobilienwerte nach dem Rückgang 2023 wieder stabiler, viele Eigentümer sitzen also auf stillen Reserven in der eigenen Immobilie, aber nicht auf liquiden Mitteln. Diese Lücke zwischen vorhandenem Sachwert und fehlender Anschlussfinanzierung ist über die Jahre eher größer als kleiner geworden, und genau dort setzen wir an.
Welche Auswirkungen haben Zinsniveau und Refinanzierungskosten auf euer Geschäftsmodell im Bereich Umschuldung und Nachrangdarlehen?
Nachrangdarlehen sind durch die Grundbucheintragung besichert, deshalb reagieren sie auf Zinsbewegungen anders als unbesicherte Ratenkredite. Wenn die Refinanzierungskosten unserer Bankpartner steigen, wirkt sich das auf die angebotenen Konditionen aus, nicht aber auf die grundsätzliche Machbarkeit des Modells. Ein Ratenkredit ohne Sicherheit wird bei steigenden Zinsen für die Bank schnell unattraktiv, ein besichertes Nachrangdarlehen bleibt für sie kalkulierbar, weil im Ausfall die Immobilie als Sicherheit dient.
Für unsere Kunden bedeutet das: Auch in Phasen mit höherem Zinsniveau bekommen wir Fälle finanziert, die als klassischer Ratenkredit gar nicht mehr darstellbar wären. Das Zinsumfeld verändert also die Höhe der Rate, aber nicht, ob eine Lösung grundsätzlich möglich ist. Diese Trennung zwischen Konditionen und Machbarkeit ist einer der Gründe, warum das Modell auch in den vergangenen Jahren mit steigenden Zinsen tragfähig geblieben ist.
Immobilieneigentum spielt bei euch eine zentrale Rolle, insbesondere bei Nachrangdarlehen. Wie bewertest du die langfristige Stabilität dieses Modells im aktuellen Marktumfeld?
Die Immobilie ist bei uns ausschließlich Sicherheit, nicht das Finanzierungsobjekt selbst, das unterscheidet unser Modell von einer klassischen Baufinanzierung. Nach dem Rückgang der Immobilienwerte 2023 hat sich der Markt wieder stabilisiert, viele selbst genutzte Immobilien haben heute wieder einen soliden Wert, der als Sicherheit trägt.
Für die Stabilität des Modells ist entscheidend, dass wir uns beim Immobilienwert nicht auf die Einschätzung des Kunden verlassen, sondern ihn anhand von Objektdaten, Wohnfläche und Grundbuch selbst ermitteln, bevor die Bank ihn in der Kreditprüfung noch einmal bewertet. Solange Eigentümer ihre Immobilie selbst bewohnen und die Belastung aus Baufinanzierung und Nachrang im vernünftigen Verhältnis zum Wert und zum Einkommen steht, bleibt das Modell auch bei schwankenden Immobilienpreisen belastbar. Das Risiko liegt weniger im Marktumfeld als in der sorgfältigen Prüfung jedes Einzelfalls, und genau darauf legen wir den Schwerpunkt.
Welche Kriterien sind für euch entscheidend, um sicherzustellen, dass eine Finanzierung langfristig tragfähig ist?
Am Anfang steht eine Haushaltsrechnung nach der Umschuldung: Wie sieht die finanzielle Situation aus, wenn aus vielen Raten eine einzige, meist niedrigere Rate wird. Dazu prüfen wir die Gesamtbelastung aus bestehender Baufinanzierung und neuem Nachrangdarlehen im Verhältnis zum Immobilienwert und zum Einkommen des Haushalts.
Ganz wichtig ist die Beleglage: Gehaltsnachweise inklusive Sonderzahlungen, der Grundbuchauszug und Angaben zur Wohnfläche müssen vorliegen und werden ausgewertet, bevor eine Entscheidung fällt. Grundsätzlich gilt bei uns, dass Werte aus Dokumenten immer Vorrang vor telefonischen Angaben haben, weil Kunden ihre eigene Situation im Gespräch häufig zu optimistisch einschätzen. Diese Kombination aus Haushaltsrechnung, Belastungsgrenze und Belegprüfung entscheidet darüber, ob wir einen Fall überhaupt bei einer Bank einreichen.
Was unterscheidet BesserFinanz strukturell von klassischen Kreditvermittlern oder Vergleichsportalen?
Klassische Vergleichsportale sind auf Standardfälle ausgelegt: gutes Einkommen, saubere Schufa, ein Kredit statt mehrerer. Unsere Kunden haben genau das nicht, sie sind bei der normalen Bank bereits abgelehnt worden. Wir haben uns bewusst auf dieses eine Segment spezialisiert, Immobilieneigentümer mit mehreren Ratenkrediten und einer abgelehnten Umschuldung, statt einen breiten Kreditvergleich anzubieten.
Das bedeutet auch, dass wir mit spezialisierten Partnerbanken arbeiten, die Nachrangdarlehen überhaupt anbieten, während klassische Banken dieses Produkt gar nicht im Programm haben. Dazu kommt unser Prozess mit genau einem ausführlichen Datengespräch am Anfang, in dem wir alle nötigen Informationen erheben, statt den Kunden mehrfach zu befragen. Diese Konzentration auf ein Segment und ein klar strukturiertes Vorgehen ist der wesentliche Unterschied zu einem allgemeinen Kreditvermittler.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und AI in euren Prozessen, insbesondere in der Fallprüfung oder Kundenqualifizierung?
Digitalisierung heißt bei uns vor allem, dass der Kunde nur noch einmal alles erzählen muss. Am Anfang steht ein einziges ausführliches Datengespräch, danach läuft der Prozess schriftlich und digital: Der Kunde bekommt einen persönlichen Zugang, über den er seine Unterlagen hochlädt, und sieht dort auch, was noch fehlt. Wer lieber ohne Telefonat starten möchte, kann seinen Antrag direkt im Browser ausfüllen.
Die eingereichten Unterlagen werden strukturiert erfasst, Einkommen, Restschulden und Objektdaten fließen in eine standardisierte Vorprüfung, die innerhalb weniger Minuten eine erste Machbarkeitseinschätzung liefert. So sortieren wir früh aus, was nicht tragfähig ist, und die Fälle, die wir bei einer Bank einreichen, sind sauber dokumentiert. Die Kreditentscheidung selbst trifft immer die Bank, und Beratung, Angebotsbesprechung und Notartermin bleiben bei Menschen. Unser Ziel ist nicht, den Kontakt zu ersetzen, sondern Rückfragen, doppelte Unterlagen und Wartezeiten aus dem Prozess zu nehmen.
Wie entwickelt sich das regulatorische Umfeld in eurem Marktsegment aktuell?
Wir arbeiten mit Erlaubnissen nach § 34i, § 34c und § 34d GewO und stehen unter Aufsicht der IHK München und Oberbayern, das ist die Grundlage für Immobiliardarlehen, Darlehensvermittlung und Versicherungsvermittlung gleichermaßen. Für unser Geschäft ist außerdem die Wohnimmobilienkreditrichtlinie relevant.
Ab November 2026 greift die neue europäische Verbraucherkreditrichtlinie, die sogenannte CCD II, mit strengeren Vorgaben zur Kreditwürdigkeitsprüfung und zur Werbung, darauf bereiten wir unsere Prozesse bereits vor. Dazu kommt der Datenschutz, der bei uns eine besondere Rolle spielt, weil wir mit Gehaltsnachweisen, Grundbuchauszügen und Kreditunterlagen arbeiten und jede neue Funktion in unseren Abläufen daran messen müssen.
Insgesamt wird die Regulierung enger, und das sehe ich grundsätzlich als sinnvoll für ein Segment mit finanziell angespannten Kunden. Wer sauber dokumentiert und die Tragfähigkeit ernsthaft prüft, hat davon nichts zu befürchten.
Welche Rolle spielt der deutsche Fintech Standort insgesamt für euer Geschäftsmodell?
Unser Geschäft ist an mehreren Stellen fest an Deutschland gebunden: Grundschuld und Notartermin folgen deutschem Recht, unsere Bankpartner sind deutsche Institute, und unsere Kunden sind Eigentümer von Immobilien in Deutschland. Die technische Seite dagegen, also die Systeme für digitale Anträge, Unterlagenverwaltung und Vorprüfung, ist vom Standort unabhängig und lässt sich von überall weiterentwickeln.
München ist der Sitz unseres Unternehmens, während sich die Fintech-Szene mit vielen Gründern, Investoren und Austauschformaten stärker in Berlin konzentriert. Für uns heißt das: Wir bewegen uns technisch auf demselben Stand wie andere deutsche Fintechs, aber unser Kerngeschäft mit Notar, Grundbuch und Bankpartnern bleibt regional verankert und kann nicht ins Ausland verlagert werden. Diese Kombination aus digitaler Technik und lokal gebundenem Kerngeschäft prägt, wie wir wachsen können.
Welche strukturelle Entwicklung wird den Markt für Spezialfinanzierungen in Zukunft am stärksten verändern?
Ich sehe zwei Entwicklungen, die zusammenwirken. Die eine ist die strengere Regulierung durch die neue Verbraucherkreditrichtlinie, die Kreditwürdigkeitsprüfungen europaweit vereinheitlicht und Anbieter zwingt, ihre Prozesse sauberer zu dokumentieren, das wird es kleineren, weniger professionell aufgestellten Vermittlern deutlich schwerer machen. Die andere ist die Standardisierung der Vorprüfung, also digitale Unterlagenerfassung und eine strukturierte Machbarkeitsprüfung direkt nach der Anfrage, wie wir sie heute schon einsetzen.
Das verkürzt die Zeit zwischen Anfrage und erster verlässlicher Einschätzung erheblich, was gerade für Kunden in einer angespannten finanziellen Lage viel wert ist. Wer beides schafft, saubere Regulatorik und schnelle, belastbare Vorprüfung, wird sich in diesem Segment behaupten. Anbieter, die nur auf Masse und schnelle Klicks setzen, ohne die Tragfähigkeit früh genug zu prüfen, werden es dagegen zunehmend schwerer haben.
Welche unternehmerische Entscheidung war rückblickend für BesserFinanz besonders prägend?
Rückblickend war die Entscheidung, uns auf ein einziges Segment zu konzentrieren, statt einen breiten Kreditvergleich anzubieten, die wichtigste Weichenstellung. Damit haben wir bewusst auf einen größeren, aber austauschbaren Markt verzichtet und uns stattdessen auf Immobilieneigentümer mit abgelehnter Umschuldung spezialisiert, ein Segment, das andere kaum bedienen.
Die zweite prägende Entscheidung war, den Prozess konsequent vom Kunden her zu denken: ein einziges Datengespräch, in dem wir alles erheben, danach ein klarer schriftlicher Ablauf mit festen Stationen bis zur Auszahlung. Das klingt unspektakulär, hat aber unsere Abschlussquote und die Zufriedenheit der Kunden stärker verändert als jede einzelne technische Neuerung.
Beide Entscheidungen zusammen haben uns ein klar abgegrenztes, aber tragfähiges Geschäft gegeben, das sich auf seine Stärken konzentriert, statt alles für jeden anzubieten.


